Giovedì 26 Giugno 2008

Politisches Dokument zum nationalen italienischen Pride in Bologna

Am 28. Juni 2008 wird in Bologna der 15. nationale Pride stattfinden, der den lesbischen, schwulen, transsexuellen und bisexuellen Stolz feiert.

Der Bologna Pride wird ausgelassenes Feiern der Schönheit der menschlichen Vielseitigkeit mit einer starken politischen Forderung nach Rechten und Reformen verbinden, die bis heute für den italienischen Staat nur Buchstaben auf Papier geblieben sind.


Der Pride wird eine wichtige Gelegenheit nicht nur für die LGBT-Bewegung sondern für alle politischen und sozialen Kräfte sein, die noch daran glauben, dass eine Gesellschaft, in der alle Bürgerinnen und Bürger dieselbe Würde und gleiche Rechte haben, eine gerechtere und demokratischere ist. Am Pride teilzunehmen bedeutet Themen ins Licht zu rücken, die von politischen und kirchlichen Kräften verdunkelt werden, die religiöse Gefühle nutzen um Gesetze gegen Homophobie, Lesbophobie und Transphobie auszubremsen und Maßnahmen für die Rechte von Lesben, Schwulen, Transsexuellen und Bisexuellen zu verhindern.
Die Unbeweglichkeit der Regierung Prodi, große soziale und wirtschaftliche Unsicherheit, das Gefühl der Machtlosigkeit beim Blick in die Zukunft und ein diffuses Gefühl von Besorgnis und Misstrauen haben zum triumphalen Sieg der politischen Rechten geführt, was besonders die konservativsten, rassistischsten und homophobischsten Netzwerke belohnt. Die Wahlen im April geben uns negative politische Rahmenbedingungen: Zum ersten Mal in der Geschichte der Republik hat die Linke keine parlamentarische Repräsentation mehr und die Demokratische Partei (PD) hat nur einen begrenzten Erfolg erzielt.
Die LGBT-Bewegung muss sich der Veränderung des politischen Rahmens bewusst sein, in dem sie agiert: Wir haben keine Illusionen gegenüber der Regierung der Rechten, die eine Politik der Einschränkung der Rechte und Freiheiten durchzusetzen versuchen könnte, sondern sind bereit, in Verbindung mit anderen sozialen Bewegungen und den Gewerkschaften diesen neuen politischen Rahmenbedingungen gegenüberzutreten. Im Parlament wie in den lokalen Verwaltungen werden wir denen, die uns regieren, ihre Pflichten gegenüber allen BürgerInnen weiterhin in Erinnerung rufen und wir werden mit denjenigen, die ein offenes Ohr für unsere Ideen und unseren politischen Kampf haben, in Dialog treten.
Wir werden die Verteidigung des laizistischen Staates und die Opposition gegen jede Einmischung des Vaticans weiterführen und gleichzeitig unser ganz konkretes Agieren für die Verteidigung und Förderung der Bürgerrechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transsexuellen voranbringen, welches im Zentrum unseres Engagements steht. Wir haben es uns zur vorrangigen Aufgabe gemacht, dem Umsichgreifen von Homophobie, Lesbophobie und Transphobie, die nicht nur in der Rechten, sondern auch in einigen Bereichen der Linken zu finden sind, entgegenzuarbeiten.
Lasst uns unseren legitimen Forderungen nach Respekt und den Rechten für schwule, lesbische und transsexuelle Menschen, Paare und Vereine neue Kraft verleihen, indem wir weiterhin für den Respekt jedweden Andersseins eintreten, für den Vereine und Gruppen der LGBT-Bewegung seit Jahren kämpfen. Lasst uns eine neue kulturelle und soziale Präsenz der LGBT-Bewegung voranbringen, ein pluralistisches Konzept der Veränderung, das die Autonomie der unterschiedlichen Erfahrungen, Geschichten und Ideen, die sie begleiten anerkennt.

Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass unsere Forderungen eng verbunden sind mit den Kämpfen, die vor allem die Frauenbewegung gegen die Gewalt gegen Frauen, die vor allem im familiären Bereich ausgeübt wird, und gegen die dominierende und gewalttätige partriarchale Kultur unserer Gesellschaft führen. Die Forderung der vollen Anerkennung unserer Würde geht in dieselbe Richtung, indem sie für eine Gesellschaft eintritt, in der niemand sich mehr wegen seiner Geschlechtsidentität oder seiner sexuellen Orientierung in Gefahr oder diskriminiert fühlen muss, in der der Machismus als Ursache der Gewalt gegen Frauen, Homosexuelle und Transsexuelle anerkannt und genau deshalb sanktioniert wird.
Bologna wird wegen seiner zivilen und demokratischen Tradition und wegen der tief verwurzelten Präsenz von Vereinen und Bewegungen, die nie aufgehört haben zu reflektieren und zu kämpfen, der ideale Rahmen sein, um den BürgerInnen dieses Landes zu sagen, dass es nicht der Moment ist, nur auf sich selbst zu schauen. Es ist wichtig, dass jeder, der sich mit den Idealen von Gleichheit und gleicher Würde identifiziert, sich mit anderen in einer gemeinsamen Front gegen das um sich greifende Klima des Hasses verbündet. Wir wollen, dass Italien ein besserer Ort für Lesben, Schwule und Transsexuelle wird, für Frauen, arme Menschen, Migranten und all jene, die Gewalt und Diskriminierung nicht akzeptieren, ob sie nun von politischen Institutinen ausgehen oder vom sozialen Umfeld.
Die Pride-Demonstrationen sind für uns die Gelegenheit, unsere persönliche und kollektive Subjektivität zu betonen. Die Mobilisierung findet in Nord- und Süditalien statt: Dem nationalen Pride in Bologna am 28. Juni gehen die lokalen Prides in Mailand und Rom am 7. Juni und der von Biella am 14. Juni voran, schließlich folgt jener von Catania am 5. Juli.
Wir fordern alles progressiven Kräfte, Bewegungen, Vereine und Parteien auf, sich dem Bologna Pride an der Seite der LGBT-Gemeinschaft anzuschließen, die ohne Unterlass die Anerkennung der grundlegenden sexuellen Rechte, wie sie nun schon seit langem von der EU bestätigt wurden, fordert und weiter fordern wird.

Übersetzung von Julia Klapper